Materielle Leichtigkeit und plakative Farbwucht
Bilder des 1956 in Treysa geborenen, in Hannover wirkenden Künstlers Alexander Kühn zeigt der Göttinger Kunstverein. Dazu gehören „Das vierte Leben“ und weitere Zyklen.
Dunkel verschluckt die Nacht den Abglanz des Feuers in Afghanistans Hauptstadt Kabul. In der Folge der wiederholten Bombenangriffe vom Oktober 2001 brennt die Stadt lichterloh, die Flammen der Gebäude scheinen weithin wie Fackeln diese Bilder zumindest sind zu vermuten gewesen und beschrieben worden, waren doch damals die offiziellen Bilder rar.
Alexander Kühn hat seine Reaktionen zu diesem Ereignis in schnellen Bildern festgehalten. „Ich war damals auf Mallorca, malte eines nach dem anderen, die ganze Nacht durch, bis zur körperlichen Erschöpfung.“ „Ikarus“ nennt er diese Reihe.
Mit starken Kontrasten von Hell und Dunkel und in komplementären Farben geht Kühn verschwenderisch um, baut mit stark verdünnter Farbe, manchmal gar flüssiger, lichtechter Textilfarbe schnelle Bilder. Einige Zeichen verweisen schlicht auf die Thematik: Pfeile zeigen den Bombenflug, ein rotes Kreuz eines der Ziele. Trotz der fast plakativen Farbwucht haben die großen Bilder eine materielle Leichtigkeit, als schwebte die Farbe über dem Grund.
Mehrere Schichten Firnis
Ursache dafür ist das Papier, auf dem Kühn arbeitet. Es wiegt gerade einmal dreißig Gramm pro Quadratmeter normales Schreibmaschinenpapier ist dreimal so schwer. Wenn Kühn mit dem Pinsel etwas zu kräftig darüber streicht oder es unbedacht aufhebt, sind Risse unabwendbar. Erst mit Gewöhnung und getrockneter Farbe wird es stabiler, lässt sich transportieren und auf Leinwand aufbringen, mehrere Schichten Firnis geben Halt. Der hannoversche Künstler, der sein Atelier in der dortigen Eisfabrik hat, experimentiert seit langem mit diesem Material.
Wie lasiert, manchmal wie geschlämmt wirken einzelne Bilder, „Die Versuchung“, und solche weiterer Zyklen. „Das vierte Leben, oder …“ stellt Versuche mit eingescannten Bildern und Pflanzen dar, ihre Metamorphosen durchwirken die Teile der am Computer malerisch bearbeiteten Ausdrucke und machen sie fremd. Viel ist Erprobung, Verwendung von Material.
Die Ausstellung ist bis zum 13. September im Göttinger Künstlerhaus, Gotmarstraße 1, zu sehen: dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 13 Uhr
Von Tina Lüers