Künstlerhaus Göttingen
im Lichtenberghaus

Gewölbekeller
07.12. – 14.12.14
QUEERSTANBUL

Facetten von Liebe, Sexualität, Geschlecht und politischem Movement am Beispiel des LGBTIQ*-Alltags in Istanbul

Vernissage: Sonntag, 7. Dezember 2014, 11:00 Uhr
Öffnungszeiten: Mo - Fr 12 - 18 Uhr; Sa 10 - 18 Uhr, So 11 - 18 Uhr

Rahmenprogramm

Mo, 08.12.2014
18 Uhr

Vortrag Dr. Peter Hörz (Uni Göttingen): „It’s not only the winter and the cold… It’s the people too… Back at home everybody is raw and vulgar…”
Männliche Sexarbeiter unterwegs – Ethnografische Skizzen zu einer multilokalen Lebensform

Mi, 10.12.2014
18 Uhr
Tea & Talk Das Queerstanbul-Kollektiv:
Die Ausstellungsorganisatorinnen berichten von ihren Feldforschungserfahrungen in Istanbul und von ihrer Ausstellungsarbeit.

Fr, 12.12.2014
20 Uhr
Filmabend


Sa, 13.12.2014
15 Uhr
Kinder-Malstunde “Wir malen einen Regenbogen.”


So, 14.12.2014
16 Uhr

Finissage Foto-Präsentation der Künstlerin Ceren Saner (Istanbul) “We should question the way love is taught us”
http://www.cerensaner.com/

Die Ausstellung Queerstanbul zeigt in ethnografisch-künstlerischer Annäherung den LGBTIQ*- Alltag während der Pride Week in Istanbul im Juni 2014. Beispielhaft werden Einblicke in Lebenswelten von homo- und transsexuellen Menschen zwischen individuellem Alltag, Protest und politischem Movement verschafft.
Einige Stadtteile Istanbuls wie Beyoglu gelten für Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle als sicher und werden von der queeren Szene stark geprägt. In den letzten Jahren boomt Istanbul mit einem vielfältigen Angebot an Gay Kneipen, Bars, Clubs und Hostels als Metropole einer blühenden homosexuellen Szene auch für Touristen. Seit 2003 hat Istanbul seinen jährlich von der Organisation „LGBTI Istanbul“ veranstalteten LGBTI Pride March. Nachdem im ersten Jahr 30 Personen teilnahmen, versammelten sich im Zuge der “Gezi-Park”-Demonstrationen im Juni 2013 Tausende von Homo-, Bi-, Hetero- und Transexuellen sowie sich solidarisierenden Gezi Park-Demonstranten am Taksim-Platz in Istanbul, um gegen den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan und gegen Homophobie zu protestieren.
Die LGBTI Pride in Istanbul gilt als die größte Pride Parade in Osteuropa. Aber auch dort, wo Queers ihre sexuelle Identität in der Öffentlichkeit leben können, sind Homo- und Transphobie noch immer ein Problem. Durch den Einfluss der Regierung Erdogans ist darüber hinaus ein wachsender religiöslegitimierter, konservativer Einfluss spürbar. Die Stimmen, die auf diesen Missstand aufmerksam machen wollen, werdenlauter. Gleichzeitig ist aber auch in der “westlichen Welt” die Perspektive zu vernehmen, welche die “türkische und arabische” Welt als zunehmend homophob konstruiert.
Ausgehend von dem Forschungsseminar “Global City Istanbul” bei Prof. Dr. Sabine Hess und Dr. Gerda Heck am Institut für Kulturantropologie der Universität Göttingen entwickelten wir ein Ausstellungskonzept, um unsere gewonnen Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können.
An welchen städtischen Orten wird das queere Leben (un)sichtbar und wie es formiert sich?
Welche Dynamiken und Prozesse der urbanen Raumaneignung lassen sich im Lebensalltag und vorallem auch während der Pride Week ausmachen?
Welche Formen von queerem Leben finden sich in Istanbul?
Mit dem Fokus auf den erstarkenden Zweig des Gay Tourism analysieren wir darüberhinaus eingebettet in aktuelle Orientalismus-Debatten Vorstellungen von “westlich” und “orientalisch” im queeren Alltag seitens der Touristen und innerhalb der Istanbuler Bevölkerung.
Unsere Fotografien, Sound- und Filminstallationen zeigen Jugendliche, die in einer Schwulenbar auf der Bühne türkische, sehnsuchtsschwangere Liebeslieder singen und Bauchtanz in Frauenkleidern vorführen, Crossdresser-Jugendliche im Macka-Park, über welche wir beim Pride-Picnic im Park eine kurdische Transfrau kennenlernten, die als Sexarbeiterin arbeitet und von ihren Diskriminierungen seitens der Polizei erzählt.
Filmausschnitte zeigen die Verleihung des Anti-Homophobie-“Hormonlu Domates”-Awards , die von der verzaubernden und mitreißenden Mademoiselle Coco moderiert wurde. Wir entwickelten einen Film zur “Queer Art”-Ausstellung, die von jungen Istanbuler Kunstfreud*innen organisiert wurde. Merve, eine Trans-Sexarbeiterin, lud uns zum Frühstück zu sich ein und erlaubte uns, einen Interviewfilm mit ihr zu drehen.
Insbesondere freut es uns, dass wir die Istanbuler Künstlerinnen Ceren Saner und Elif KK für uns gewinnen konnten. Ihre Kunstwerke, die sich mit Liebe und Sexualität auseinandersetzen, werden in unserer Ausstellung zu sehen sein.
Mit unserer Ausstellung wollen wir sicht- und hörbarer Teil eines wichtigen Diskurses sein, eine Plattform des regen Austauschs und der lebendigen, kritischen, handlungsinteressierten Kommunikation werden und mit unserem ethnografischen Ansatz in Kombination mit queer-feministischen Exponaten einen Beitrag zur zeitgenössischen Dokumentarkunst leisten.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Ausstellungsorganisation/ -kuration:
Margaux J. Erdmann, Susanne Klenke, Laura Stonies, Svetlana Stojanovic
Layout/Design/Ausstellungsgestaltung: Dave Tkaczyk
künstlerische Beratung: Manuela Unverdorben http://www.manuelaunverdorben.de/ wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Sabine Hess, Dr. Gerda Heck, Dr. Uta Schirmer, Fadi Saleh (Uni Göttingen)
Weiterführende Informationen finden Sie auf unserer Homepage queerstanbul.com