10.03. – 10.04.2011
Julia Arztmann, Evelyn Ebert, Satomi Edo, Laura Schimmel
(un)heimlich
Zur Eröffnung der Ausstellung am Donnerstag, den 10. März
um 19 Uhr im Weißen Saal laden wir Sie und
Ihre Freunde herzlich ein.
Einführung: Katrin Kruppa
Vier junge Künstlerinnen aus Münster, Julia Arztmann, Evelyn Ebert, Satomi Edo und Laura Schimmel, zeigen vom 10. März bis zum10. April 2011 im Weißen Saal und im Gewölbekeller des Künstlerhauses Installationen unter dem Titel „(un)heimlich“. Sie setzen sich in den für die Räume des Künstlerhauses konzipierten Installationen auf unterschiedliche Weise mit dem ‚Un-Heimlichen’ auseinander. ‚Un-heimlich’ beinhaltet ‚Heim’ und damit das Haus, den Wohnort, spielt aber gerade auf das Fehlen dieses Heims in der Heimatlosigkeit an. Die Arbeiten zeigen bekannte ‚heim-liche’ Alltagsgegenstände, deren Funktion hinterfragt wird. Verzerrte Dimensionen und ungewohnte Materialität können jedoch das ‚Heim-liche’ auch schnell ins ‚Un-heimliche’ umkippen lassen. Es deutet sich ein Rückzug ins Verborgene, Geheime, Obskure an.
Göttinger Tageblatt vom 12.03.11:
Von Vieren die auszogen, das Gruseln zu lehren
Junge Künstlerinnen aus Münster zeigen Rauminstallation im Künstlerhaus Göttingen
Von Tina Lüers
Das Geräusch von leise
tropfendem Wasser ist zu
hören, die Luft ist sehr warm.
Hinter einem halbtransparenten
Vorhang, der zwischen
Säulen aufgehängt ist, stehen
Holzbänke wie aus einer Sauna,
zwei rosenfarbene Handtücher
liegen bereit. Zur Entspannung
und besseren
Durchblutung ist die Raumüber
die Körpertemperatur
gesteigert. Doch auf den weißen
Bodenfliesen, die mit einemblauen
Ornamentring gesäumt
sind, tragen die Besucher
weder Bademäntel noch
sind sie in weiche Tücher gehüllt.
In Jacken und Stiefeln
betreten sie den Raum, der
heute an den Ruheraum eines
römischen oder orientalischen
Badehauses mit seinen sprudelnden
Seitennischen erinnert,
aber ein Kunstraum
bleibt: der Weiße Saal des
Künstlerhauses.
Vier junge Künstlerinnen,
die in Münster bei Maik und
Dirk Löbbert studiert haben,
zeigen die als Gruppenarbeit
entstandene Rauminstallation
„(un)heimlich“. Der altbekannte
Saal gerät ins Schwitzen.
Die Raumerfahrung verändert
sich.

Haben gemeinsam Installation für das Künstlerhaus erdacht: Satomi Edo, Laura Schimmel, Julia Arztmann und Evelyn Ebert (von links nach rechts). Vetter
Das Tepidarium wird von
den geklebten Kacheln Evelyn
Eberts bestimmt, ein Eindruck,
dem sich die Besucher
kaum entziehen können. Er
wird unterstützt durch den
von Laura Schimmel in der
Abgrenzung erzeugten Raum
im Raum hinter den Säulen,
durch die Folie besitzt er eine
angenehme, glaubwürdige Abgeschiedenheit
und vielleicht
sogar ein wenig Heimlichkeit.
Die Unheimlichkeit übernimmt
Julia Arztmann mit
grauen, felligenWandobjekten,
die zwischen Krake und Fledermaus
schwanken. Ihre leichenblassen
Schwimmflügel formulieren
einen Hilferuf. Programmatisch
geht Satomi Edo vor:
Ihre Uhr lässt die Zeit schnell
vergehen, ihre Installation „Regen“
zeigt einen Blick in eine
real wirkende Puppenhauswelt,
in der es ziemlich regnet.
Heimlich und Unheimlich
sind, so Katrin Kruppa in ihrer
Einführung, keine Gegensätze,
das eine ist Teil und Bedingung
zuweilen des anderen. Im Gewölbekeller
des Künstlerhauses
erinnern Schimmels Speerspitzen
in Vitrinen und große, flache
Dorne, die aus einem dunklen
Rohr staken, Arztmanns genähte
und ausgestopfte Tentakeln
und Wülste, die Musik
eines Gruselfilms und verhüllte
Kisten, Eberts verschlossene
Fahrstuhltüren und das von innen
beleuchtete Zelt Edos ein
Gruselkabinett. Was im oberen
Stockwerk sich hier und da reizvoll
findet, wirkt im Keller
schauerlich beliebig. Die Decke
des Badehauses aber symbolisiert
den Himmel, gibt manchmal
den Blick auf ihn frei. Der
Himmel im Künstlerhaus zeigt
Projektionen, die verlaufen, verschwimmen.
|